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Lecker Lecker knusprig Toastbrot

Die zweite Herrenmannschaft gewinnt ihr Gastspiel in Unterharmersbach - Linkshänder sind einfach überragend. 

Ein Toastbrot ist etwas, das den meisten schmeckt. Zum Frühstück mit einer schön dicken Schicht Nussnougatcreme oder leckerem, am Besten selbstgekochtem Himbeer-Xälz. Ein wahrer Gaumenschmaud! Seit dem die blasse, feinporige Weißbrotscheibe mit dünnem Krustenrand in den 50er-Jahren die deutschen Haushalte eroberte, ist sie vom Frühstückstisch nicht mehr wegzudenken. Endgültig durchgesetzt hat sich das in dünne Scheiben geschnittene Kastenweißbrot aber mit dem nach ihm benannten „Toast Hawaii“, bei dem eine Scheibe Toast mit Schinken und Ananas belegt und anschließend mit Käse überbacken wird. Dieser Imbiss-Klassiker geht übrigens zurück auf den französischen Fernsehkoch Clemens Wilmenrod.
 
 
Jeder der schon mal eine ungetoastete Scheibe des Weißbrotes gegessen hat, weiß, dass es sich dabei um eine äußert zähe Angelegenheit handelt. Nur, wenn die weiße Scheibe hellbraun geröstet wurde, ist sie so richtig schön knusprig, in der schwäbischen Mundart eher „knuschbrig“ ausgesprochen.
 
Eine ungeröstete Scheibe Toast, eine die also nicht ganz knusprig ist, ist eher ungenießbar und alles andere als gesund. Nicht ganz knusprig und gesund waren auch manche Ereignisse auf der Auswärtsfahrt nach Unterharmersbach, zur dort beheimateten Handballabteilung des FVU. Dazu aber später mehr.
 
Bereits seit einigen Wochen bereitet dieses absolute Topspiel der Kreisklasse dem Headcoach der zweiten Mannschaft, Matthias Schinle, schlaflose Nächte. Zum einen, weil absolute Führungsfiguren zum wiederholten Male bewusst ihren Jahresurlaub genau auf dieses Saisonhighlight gelegt haben. Zum anderen, weil bereits im Voraus bekannt wurde, dass in der Unterharmersbacher Stadthalle die Umkleidekabinen saniert worden und er schon ganz gespannt auf die Umsetzung der Baumaßnahmen war.
 
 
Nach den Absagen vom ballverliebten Capitano Tobias Schinle, dem kleinsten Vize-Kapitän der Welt Enrico Schröter und dem in Staatsdiensten stehenden professionellen Geschichtenwürzer Philipp Fehrenbacher war der Kader schon sehr ausgedünnt. Da zudem einige A-Jugendlichen aufgrund der Abiturvorbereitungen abgesagt haben, weil ihnen ihre Gesundheit vor den schriftlichen Prüfungen wichtig war, hatte Coach Schinle ein echtes Problem. Bis Donnerstagabend gab es erst 8 Zusagen, darunter aber 3 Torhüter. Doch zum Glück meldeten sich kurzfristig noch zwei Linkshänder freiwillig, um den eigentlichen rechten Rückraum und Co-Trainer Fabian Eickhoff mehr als gebührend zu ersetzen. Dieser musste nämlich seine beiden linken Hände auf dem Bau einsetzen und war daher unpässlich. Unter Umständen reicht es ihm aber zum abschließenden Rundenspiel am kommenden Samstag gegen Ottenheim 2.
Aber auch aufgrund seiner im Verein hochgeschätzten Kommunikationsfähigkeit schaffte er Matthias Schinle es doch noch rechtzeitig, eine spielfähige Truppe zusammenzustellen. Dafür waren aber einige Opfer notwendig:
 
Der bullige Baggerfan Pascal Möller buchte noch rechtzeitig seinen Heimflug aus Südafrika um, um die Mannschaft in diesem schweren Auswärtsspiel zu unterstützen. Im Gegenzug erhielt er dafür von der Mannschaft ein Upgrade in die Business-Klasse! Gern geschehen, lieber Bagger-Kumpan!
 
Ebenfalls war auf „Auswärts-spiele-ich-gerne-mit“-Damian Roming Verlass, der mit seiner ausgefuchsten Art ein wichtiger Eckpfeiler beim Sieg gegen den FVU werden sollte.
 
Am meisten freute sich aber Schrambergs zweitgrößter Autosammler, Marcel Krause, auf die Begegnung. Denn nach dem überragenden Auswärtserfolg seiner Schalker im Revierderby, womit die Königsblauen wohl den FC Bayern zum deutschen Meister machten, war Kuba-Krause bereits total hibbelig und aufgedreht. Zudem musste er aufgrund der angespannten Personalsituation seine gewohnte Torhüter-Position verlassen, um die vakante linke Außenbahn zu besetzen. Dies sollte ihm ein herzerfrischendes Strahlen ins Gesicht zaubern.
Dass er sich aber nicht bereits vor dem Spiel vor Freude in die Hosen macht, hat sich Trainerfuchs Matthias Schinle etwas ganz Besonderes einfallen lassen: eine wundervolle Fahrt über die Höhen des wunderschöne Schwarzwaldes mit atemberaubenden Ausblicken. Allein dafür hat sich die Auswärtsfahrt ins beschauliche Unterharmersbach schon gelohnt! Nächstes Mal findet diese Ausfahrt wohl mit zahlreichen Ausstellungsstücken aus der Krauseschen Sammlung statt.
 
 
Nach dieser langen Vorrede nun endlich zum Spiel und zu der ein oder anderen nicht ganz knusprigen Aktion - eben ganz im Sinne einer blassen Scheibe ungerösteten Toasts.
 
In der ersten Halbzeit entwickelte sich gelinde gesagt ein fürchterliches Handballspiel, auch wenn das Spiel gleich mit einem absoluten Highlight aufwartete. Denn nach ca. 80 Sekunden schraubte sich der neue Shootingstar auf Linksaußen, Marcel Krause, in einer unnachahmlichen Art und elegant wie eine Katze in die Höhe. Er Knickte im Wurf ab und verwandelte den Ball mit einem pfeilartigen Wurfgeschoss über den Innenpfosten im langen oberen Eck. Nach kurzem Tänzchen vor den Unterharmersbacher Edelfans in der Garage lief er freudestrahlend und völlig berauscht vom ihm bis dato unbekannten Glücksgefühl eines Torerfolges zunächst zurück ins Tor - ehe er zwischen den Pfosten feststellen musste, dass dort schon Kollege Markus Holzer wartete. Vielleicht hat er sich auch auf Grund dieses Faux-pas wenig später seine erste gelbe Karte wegen Meckerns nach einem seiner ersten Fehlwürfe eingeholt.
 
Der "richtige" Torwart "Molzi" hielt übrigens in der zerfahrenen Anfangsphase herausragend gut, was vor allem an zwei wichtigen Punkten lag: Da er dieses Mal die Hinfahrt inklusive der herrlichen Ausblicke genießen konnte ohne dabei Gefahr zu laufen, Grüße nach Flensburg zu schicken, war er bereits ab der ersten Minute hochkonzentriert. Zum anderen hatte er eine Abwehr vor sich, die ihren Namen alle Ehre machte und nur schwer zu knacken war. Da sich die Uhrenstädter aber in der engen Unterharmersbacher Festhalle ebenfalls im Angriff schwer taten, meistens aber beste Chancen am starken Torhüter der Gastgeber scheiterten ging es nur schleppend voran. Nach dem 2:1 durch den grundsolide spielenden Jungspund Adrian Väth auf der linken Rückraumposition folgte ein Verwarnungs- und Strafwurfintermezzo, wie man es selten gesehen hat. Ganze 15 der folgenden 16 Einträge im Spielprotokoll waren progressive Strafen oder Vermerke zu ausgeführten 7-Meter-Strafwürfen. Kenner der Szene und Liebhaber ausgereifter Handballspiele wissen genau, wie viele hopfenhaltige Getränke man zu sich nehmen muss, um solch ein Spiel genießen zu können. Die Thekendamen vom FVU wird’s gefreut haben anlässlich rekordverdächtiger Umsatzzahlen.
 
Doch die bekannte Unterharmersbacher Handballschule gab in Angriff und speziell inder Abwehr weiter alles; rempelte dazu auch mal Außenflitzer Manuel "Hecki" Fleig rüde im Gegenstoß um (total unknusprig) und demonstriere eindrucksvoll, wie Schläge in die Magengrube zu einem kurzen Atemaussetzer führen können (eher so semi knusprig). Vor allem der Innenblock der Einheimischen hatte sich auf diese Aktionen spezialisiert. Trotz zunehmender Härte im Spiel, wobei sich auch die Uhrenstädter nicht weinerlich zeigten und zeitweise gut zupackten, war Schramberg die bessere Mannschaft. Folgerichtig setzten sich die Gäste auch peu à peu ab. Dass es nach 18 gespielten Minuten nur 7:3 für die SG stand kam für den FVU glücklicherweise nur dadurch zustande, da die Schramberger unter einer eklatanten Abschlussschwäche leideten. Vor allem von Links außen und über eine der Rückraumpositionen ließ man beste Gelegenheiten aus. Lapprig wie eine Scheibe frischer Toast präsentierten sich die Würfe von links wie von rechts und waren daher meist sichere Beute vom FVU-Torwart. Pustekuchen, denn "hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen noch gekriegt" - getreu diesem philosophisch wertvollen Spruch ging es eben nicht mit einer 20:7 Führung in die Pause, sondern "nur" mit 11:7 für die in engen gelben Markierungsleibchen (der Größe "junior") spielenden Gästen aus der 5-Täler-Stadt.
Positiv aufgefallen in den ersten 30 Minuten sind zudem die beiden Altmeister Florian Schranzhofer und Baggerfreud Pascal David Möller mit jeweils 3 Treffern (total knusprig!). A apropos 3: Zum Ende der ersten Halbzeit standen nach je einer Zeitstrafe gegen Pascal Möller, Julian Roming und Florian Schranzhofer (Danke lieber Florian für einen Kasten kühle Blonde) nur noch drei Schramberger auf dem Feld. Angeführt vom wirklich sehr, sehr erfahrenen Matthias Schinle überstand man diese Phase aber ohne weiteren Schaden.
 
 
Trotz der Warnung durch Coach Schinle war die Leistung der Bezirklsliga-Reserve in den 15 Minuten nach Wiederanpfiff ganz schön unknusprig. Denn der schöne Vorsprung schmolz furchtbar schnell dahin. Binnen 5 Minuten schafften es die in blau spielenden Gastgeber den Ausgleich zum 11:11 zu erzielen. Bis dato vergab die SG erneut beste Chancen, unter anderem auch 2 Strafwürfe vom 7-Meter-Strich. Die eh schon aufgeheizte Stimmung in der kleinen Halle nahm so weiter an Fahrt auf. Auch eine Auszeit konnte den Unterharmersbacher Lauf nicht stoppen, die nach 47 Minuten erstmalig in Führung gehen konnten (14:15).
 
Dann endlich ging ein Ruck durch die Schramberger Mannschaft, die den fälligen Kampf nun endlich annehmen wollte. Zwei Tore in Folge von Julian Roming, eines davon in Unterzahl, sowie Pascal Möller drehten den Spieß wieder zugunsten der SG um. Auch die neuerliche Führung der Bach-na-Fahrer-Städter trug nicht zur Beruhigung der hocherhitzten, beinahe schon pasteurisierten Gemüter bei. Weiterhin wurde hüben wie drüben geboxt, getreten und geschuckt, wobei jede Aktion mit einem lauten Aufschrei aus dem Publikum gratininert wurde (was wiederum sehr unknusprig war).
Das fachmännische Publikum vor Ort zeigte sich besonders verdutzt darüber, als Schrambergs größter Handball-Fuchs, Damian Roming, beim 7-Meter den obligatorischen Torhüterwechsel unterband. Blitzschnell stellte er sich an den Strich und signalisierte Wurfbereitschaft, was Schiedsrichter Wöhrle korrekterweise dazu veranlasste, den FVU-Keeper, der beinahe schon auf der Bank platzgenommen hatte, zurück ins Gehäuse zu beordern.
 
Vielleicht war es genau diese Aktion, die einen gegnerischen Spieler dazu brachte, wenig später den fuchsigen Auswärtsspielliebhaber-Fuchs Damian Roming in einem undurchsichtigen Moment in einer Art Spießroutenlauf in bester Vin Diesel "Fast and Furious"-Verfolgungsjagd-Manier hinterherzurennen und mit einen Tritt in die Hacken zu Fall bringen zu wollen. Wie knusprig dieser Kollege sein Toastbrot brät, ist uns gegenwärtig leider nicht bekannt.
 
Zum Glück behielten die Uhrenstädter aus der schönen Uhrenstadt im Unterharmersbacher Hexenkesselchen kühlen Kopf. Auch nach einem weiterer Aufschrei, als der Schlussmann des FVU einen Schramberger Spieler im Gegenstoß berrührte, ließ sich die SG nicht aus der Fassung bringen - auch wenn der fällige 7-Meter natürlich nicht verwandelt wurde. Anstecken ließ sich letztlich nur der bullige Baggerfreund Pascal Möller. Er konnte es sich nicht nehmen lassen, in einer kurzen Rudelbildung lautstark eine Meinungsverschiedenheit wortgewandt und mit hochrotem Kopf auszudiskutieren. Da er aber nicht Urheber des Streits war, musste lediglich der Gegenspieler 2 Minuten auf der Bank pausieren.
 
Schlussendlich spielten die Schramberger die Partie cool zu Ende. Adrian Väth markierte mit einem Gewaltwurf aus ca. 15 Metern den 20:17 Endstand für die SG. Zwar probierten die Gastgeber nochmal alles und versuchten durch eine Manndeckung der Nummer 6, Julian Roming, den Spielfluss der Uhrenstädter einzudämmen. Diese Maßnahme fruchtete aber nur bedingt. Die letzten Sekunden spielte die SG routiniert zu Ende - vor allem Tim Deuringer im SG-Kasten zeichnete sich nochmal mit klasse Paraden aus. lediglich Pascal Möller sorgte nochmal mit einem rüden Foul für einen Aufschrei. Die fällige Unterzahl überstand die SG aber schadlos, so dass sich die SG über total knusprige 2 Punkte freuen durfte.
 
Um möglichst schnell wieder auf Normaltemperatur abzukühlen verzog sich die Schramberger Mannschaft zum Unmut der weiblichen Fans schnell in die sanierte Kabine zurück. Grüße gehen raus an die drei Damen, die sich so herrlich darüber aufregen konnte. Grüßen möchte ich ebenfalls die drei Garagenfans, die sich ebenfalls mit einem unwürdigen Gruß von den Schrambergern verabschiedeten. Fair-Play zeigt sich eben nicht nur durch ein Abklatschen vor und nach dem Spiel.
 
Zum Schluss noch eine Anmerkung in eigener Sache. Am Samstag steht das letzte Rundenspiel der zweiten Herrenmannschaft an - und damit auch der letzte Bericht für eine lange Zeit. Dies wird viele Fans in eine tiefes Loch stürzen lassen, sind doch die humorvollen und stilistisch hoch anspruchsvollen Berichte stets ein Lichtblick im Wochenalltag zwischen zwei Spielen der zweiten Mannschaft. Ob dies eine Nominierung für den Pulitzer-Preis rechtfertigt, sollten die Mannschaftsverantwortlichen bewerten und eine Nominierung bitte fristgerecht bei der Jury einreichen!
 
 
In Unterharmersbach spielten:
 
Tim Deuringer; Markus Holzer (im Tor); Andreas Schleicher 2; Florian Schranzhofer 5; Julian Roming 3; Matthias Schinle; Adrian Väth 3; Marcel Krause 1; Manuel Fleig; Pascal-David Möller 4; Damian Roming 2