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"Christian Streich ist mein großes Vorbild"

Matthias Schinle, hochdekorierter Trainer (1x deutscher Meister in der Kreisklasse A, im Pokal bisher erfolglos) der zweiten Mannschaft der SG Schramberg, steht Rede und Antwort im ausführlichen Interview.

Matthias, als Trainer der Zweiten stehst du traditionell weniger im Rampenlicht als deine
Kollegen aus der ersten Mannschaft. Befriedigst du deine Gier nach Aufmerksamkeit anderweitig oder macht dir das nichts aus?
 
Zuerst einmal vielen Dank für die Frage. Ich vergleiche mich da sehr gerne mit meinem hochgeschätzten Trainerkollegen Christian Streich. Wir sind beide recht bescheidene Menschen. Er kann beim Sportclub Freiburg in Ruhe seiner Trainertätigkeit nachgehen, muss nach außen hin kaum einen Erwartungshorizont erfüllen und schafft es trotzdem immer wieder sportlich für Glanzmomente zu sorgen, welche dann von den Fans dementsprechend honoriert werden. Ähnlich sehe ich meine Rolle bei der SG - der akribische Arbeiter, der auf dem Boden geblieben ist und nicht den großen Zampano spielen muss.
 
 
 Du pflegst einen sehr kommunikativen Führungsstil der sehr kollegial ist. Hast du keine Sorge, dass deine Autorität von großkotzigen „Möchte-Gern-Handballern“ untergraben wird?
 
Nein, da mache ich mir absolut keine Sorgen. Da wir beide uns ja auch privat kennen (gemeint ist Fragesteller Julian Roming, Anm. d. Red.), denke ich, dass damit der größte Unruheherd gebannt ist ;). Und auch unser SG-Leichtgewicht Pascal David Möller (Stand SG-Handball-Weihnachtsfeier am 22.12.2018) lässt seine Südbadenligaerfahrung ja nur in den Berichten aufblitzen.
Spaß beiseite, ich denke, wer mich kennt weiß, dass ein autoritärer Stil nicht authentisch für mich wäre. Als Spielertrainer bin ich im einen Moment der Trainer und mach von außen die Ansagen, sobald ich mein Trikot überstreife und auf dem Feld stehe, bin ich Spieler und auf Augenhöhe mit meinen 6 Nebenleuten. Deshalb versuche ich in beiden Situationen  das bestmögliche für das Team zu erreichen. Ich denke, das funktionierte in der Hinrunde sehr gut. Hilfreich ist dabei natürlich, die Mentalität der Mannschaft: Bock auf Handball ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen.
 
 
Matthias, mehrfach konnte in Berichten von disziplinarischen Maßnahmen gegen einzelne Spieler gelesen werden, die gar von Spieltagen ausgeschlossen wurden. Was ist da los? Habt ihr als Trainerteam euere Rasselbande nicht im Griff?
 
Zunächst einmal möchte ich dazu sagen, dass ich nichts dazu sagen werde. Interna aus der Kabine gehen bei uns prinzipiell nicht an die Presse – in dieser Hinsicht haben wir sicher professionelle Strukturen aufgebaut, ahnden ein Fehlverhalten entsprechend hart. Dabei kommen wir gänzlich ohne Strafenkatalog aus und sprechen lieber von "erzieherischen Maßnahmen". Denn wie du oben vielleicht gemerkt hast, haben wir einen herausragenden Team-Spirit, daher brauche ich weniger die Peitsche und packe viel lieber das Zuckerbrot aus.
Was den betreffenden Spieler bzgl. der "Denkpausen" betrifft kann ich sicherlich so viel verraten: Manchmal ist eben doch die Peitsche notwendig, auch bei einem Top-Typ mit herausragenden Qualitäten in der dritten Halbzeit, manchmal schießt er aber übers Ziel hinaus.
 
 
Auswärts scheint es immer sehr schwierig zu sein, einen vollständigen Kader zu stellen. Wie gehst du damit um?
 
Ja, es Bedarf für die Auswärtsspiele immer ein wenig mehr Aufwand, ausreichend Spieler zu aktivieren, aber bisher hat es immer noch zum Spielen gereicht. Wir haben eigentlich einen sehr breiten Kader, was man vor allem bei Alternativevents zum Training, wie Kegeln oder unseren Ausflug in den Streichelzoo nach Waldmössingen, immer wieder feststellen kann. Noch heute sehe ich die strahlenden Gesichter unserer Ü-30-Fraktion vor mir, die ihre einzige Einheit in der Vorbereitung im Indoor-Park Sensapolis absolvierten und wie wild auf die Rutschen zugestürmt sind.
Leider waren aber in der Saison 4 der 6 Auswärtspartien sonntags, d.h. unsere Auswärtigen (T. Hess und P. Fehrenbacher) sind nicht dabei. Mit „Auswärts-gehe-ich-aus-Prinzip-nicht-mit“, Damian Roming, sowie „kommt-auf-den-Samstag-davor-an“ Felix Ehret sind natürlich auch weitere zwei Spieler nie wirklich dabei. Mit den Langzeitverletzten Dr. Björn Metzger (Knie-OP), Felix Hirt (Schulter-OP) und Kay Holzer (Ellenbogen-OP) sind weitere Stammspieler ausgefallen. Aber glücklicherweise sind unsere Jungspunte aus der A-Jugend zuverlässig am Start. Außerdem stimmt es uns sehr zuversichtlich, dass egal mit wie vielen Spieler wir zum Auswärtsspiel antreten, unser M. Holzer sammelt auf jeden Fall den ein oder anderen Punkt zusätzlich ein. An dieser Stelle viele Grüße in den hohen Norden nach Flensburg!
 
 
Euer Start war sehr holprig, wenn nicht gar katastrophal mit nur einem Punkt aus drei Spielen. Hat deine Vorbereitung komplett versagt oder wolltest du die restlichen Gegner erstmal in Sicherheit wiegen?
 
Solch ein überhebliches Verhalten weiße ich direkt von uns. Wir wollten ab dem ersten Saisonspiel gewinnen, was uns leider knapp nicht gelungen ist. Im Nachhinein muss man sagen, dass wir auf Grund der Urlaubszeit und des daraus resultierendem Spielermangel dem frühen Saisonstart Tribut zollen mussten. Bis eine Woche vor Rundenbeginn haben wir gemeinsam mit der 1. Mannschaft trainiert. Erst dann waren ausreichend Spieler für ein eigenständiges Training vorhanden. Die Zeit war einfach zu kurz, um sich einzuspielen und Abläufe sowie Spielzüge zu trainieren. Erst im Laufe der ersten 3-4 Spiele merkte man, wie man langsam wieder als Mannschaft spielte.
 
 
Nach dem Katastrophenstart seid ihr dann wie ein Mentos in der Cola richtig steil gegangen. Wie habt ihr zurück in die Erfolgsspur gefunden und es geschafft, konstant Weltklasseleistungen auf Kreisliga-Niveau abzurufen?
 
Gut, dass du den Katastrophenstart noch einmal anspricht. Hätte ihn sonst fast vergessen... Jede Trainingseinheit und jedes Spiel hat uns wieder einen Schritt nach vorne gebracht. Wir haben hart an uns gearbeitet und unser Prunkstück, die Abwehr inkl. Torwartspiel, weiter verbessert. Das war bereits in der Meistersaison das Maß aller Dinge in der Kreisklasse A. Daran wollten wir unbedingt wieder anschließen. Auch Kaderseitig hat sich einiges getan. Mit dem Comeback von Julian Roming (Fuß-OP) und Pascal David Möller (Massephase) sind natürlich zwei ganz solide Unruhestifter als Verstärkung zurückgekommen. Mit Yannic Köhler gab es unerwarteterweise gar einen externen Neuzugang zu verzeichnen, der sich bestens im Team integriert hat. Und auf der Torhüterposition rückte mit Marcel „Cuba“ Krause Schrambergs bester Keeper ins zweite Glied auf. Leider musste aus personellen Gründen mit Marc „Bäberle“ Warwas direkt schon nach wenigen Spieltagen der erste Spieler in die Elite aufrücken. So war das Personalkarussell ständig am Kreisen, aber eher zum positiven, da ausnahmsweise mehr Zugänge als Abgänge zu verzeichnen waren.
Daher haben wir einen wirklich erfrischenden Mix aus jungen, hungrigen und lauffreudigen Nachwuchstalenten und alten, manchmal trägen Spielern, wie El Capitano Tobias Schinle, die ihre wertvolle Erfahrung auf die Platte bringen.
 
 
Zum Schluss: Ist der Rathausbalkon für die Meisterfeier schon gebucht oder noch nicht?
 
Da dieser Balkon ja sehr beliebt ist, haben wir selbstverständlich bereits eine unverbindliche Anfrage an die Stadt Frankfurt geschickt. Wir warten allerdings noch auf eine Antwort. Aber es wird nach Bekanntheitsgrad entschieden, daher mache ich mir keine Sorgen, dass wir absolute Priorität genießen werden. Darüber hinaus sind die Privatjets ab Winzeln bereits gechartert, Getränke beim Maser bestellt und das Entertainmentpaket für unterwegs vom Klein Paris gebucht. Den Shuttle zum Flughafen bewerkstelligen wir mit Hilfe der privaten Autosammlung von Cuba Krause.
Ich freue mich also bereits sehr auf eine hoffentlich erfolgreiche Rückrunde und viele schöne Momente mit meiner Zweiten.

Vielen Dank Matthias für deine Antworten und einen erfolgreichen und verletzungsfreien Verlauf der Rückrunde"